Martin Almon, 04. Januar 1973 - 21. März 2020

Wir sind sehr traurig. Die Gesellschaft für Unterstützte Kommunikation e.V. verliert mit Martin Almon eines ihrer Gesichter und einen Menschen, der unermüdlich für Unterstützte Kommunikation geworben hat.

"Ohne meinen Talker gehe ich nirgendwo hin" - die Möglichkeit, selbstbestimmt kommunizieren zu können, hat ihm die Welt eröffnet und der Welt gezeigt, wie bedeutsam Kommunikation ist.

Martin Almon hat diesen Verein von Anbeginn an bis zuletzt in verschiedenen Funktionen aktiv begleitet. Er war über viele Jahre Mitglied des Vorstands und gehörte zum Vorbereitungsteam der Internationalen Isaac-Konferenz 2006 in Düsseldorf und war aktiv in der Regio-Gruppe NRW. Als Hot Speaker war er einer der ersten autorisierten Co-Referenten, war als Leuchtturm der Unterstützten Kommunikation in vielen Netzwerken unterwegs und beeindruckte sehr viele Menschen mit seinen Vorträgen als Profi in eigener Sache. Für all das erhielt er 2015 den Paul-Goldschmidt-Ehrenpreis.

Martin Almon war ein Mensch, der emotional berühren konnte und Unterstützte Kommunikation als Lebensaufgabe gesehen hat. Die Gesellschaft für Unterstützte Kommunikation e.V. verliert einen großen Kommunikationsbotschafter und einen lieben und wertvollen Menschen.

Für den Vorstand der Gesellschaft für Unterstützte Kommunikation e.V.
Ute Schnelle, Adelheid Horneber, Silke Braun, Tobias Link und Tanja Müller



 

Foto von Martin Almon
Martin Almon, 04. Januar 1973 - 21. März 2020

Lieber Martin,

ich kann gar keinen Nachruf für dich schreiben, denn dass ich dich nie mehr sehen und sprechen kann, will mir nicht in Kopf und Herz.

1992 habe ich dich kennengelernt, als du bei unserer ersten großen Deutschland-Tagung zum ersten Mal Arne Maiwald erlebt hast. „Nicht sprechen können, aber alles verstehen“ hieß sein Vortrag.
„Da war endlich einer, der das aussprach, was ich fühlte. Da musste ich weinen und den Raum verlassen.“- so hast du es in deinem Beitrag „Meine Erfahrungen mit und ohne Unterstützte Kommunikation“ in meinem „Zielgruppenbuch“ beschrieben.

1994 hast du deinen ersten Talker bekommen, und schon 1995 hast du deinen ersten Vortrag bei der Minspeak-Konferenz in Hannover gehalten. Im gleichen Jahr war eine Vorstellung von Nutzern elektronischer Kommunikationshilfen am Ende eines Uni-Seminars die „Keimzelle“ für die Jahrestreffen unterstützt kommunizierender Menschen, bei denen du von Anfang an aktiv mitgewirkt hast.

Bei der „Aktion Mensch“ hast du Aufgaben übernommen und sogar mit dem Bundespräsidenten gesprochen, hast dich am Buchprojekt „Ich fühle mich wie dieser Fluss - Porträts ‚nichtsprechender´ Menschen“ beteiligt, am ersten Film über Unterstützte Kommunikation mitgearbeitet, die Co-Referenten-Ausbildung mitgemacht und abgeschlossen.

Vom Moment an, an dem du sprechen konntest, hat sich dein glühendes Eintreten für die Menschen, die die Lautsprache nicht nutzen können, niemals „abgekühlt“. Dein Lebensziel war es, Vielen die Möglichkeiten der Unterstützten Kommunikation zu zeigen. Dem diente auch deine Mitarbeit im Vorstand des Vereins. Du warst begeistert, an internationalen Konferenzen in Kanada und Dänemark teilzunehmen und hast sogar im Vorbereitungsteam der internationalen Tagung in Düsseldorf mitgearbeitet.

Deine Zugewandtheit und dein Interesse am Gegenüber, die mich vergessen ließen, wie mühsam alle Bewegungen und Alltäglichkeiten für dich waren, dein Humor, mit dem du z.B. mit Hinweis auf Herrn Alzheimer meine Schusseligkeiten schmunzelnd kommentiertes, dein Mut, die Behütetheit des Elternhauses zu verlassen und dich fremden Helfern in die Hände zu geben, dein Nachdenken über die Themen des Menschseins, dein unermüdliches Lernen und Nutzen aller Möglichkeiten, sprachlichen Kontakt zu leben, an alles das erinnere ich mich.
Deine tiefe Verbundenheit mit Paul – nie hast du vergessen, mir zu seinem Geburtstag zu schreiben, und dass der „Goldene ISAAC“ in „Paul-Goldschmidt-Preis“ umbenannt wurde, war auch auf deine Initiative zurückzuführen – all das erfüllt mich mit Dank und mit Trauer darüber, dass ich es jetzt nie mehr erleben werde.

Schon mehrmals bist du dem Tod von der Schüppe gesprungen, ernste und tiefe Gespräche konnten wir über Leben und Tod führen. Im letzten Jahr warst du so krank, dass du kaum noch Kraft hattest. Trotzdem hast du die Mutlosigkeit noch einmal überwunden, vor allem dadurch, dass du viel Anteilnahme und Zuspruch aus der großen UK-Familie  und sogar von Bruce Baker, dem Minspeak-„Erfinder“ aus den USA bekommen hast.

Du hast dann sogar noch einmal einen Vortrag gehalten, den Referenten-Jahresbericht geschrieben, wolltest zum Gremientreffen kommen und bist genau an dem Tag, an dem dieses Treffen seinen Abschluss gehabt hätte, auf deine große Reise weg von uns gegangen.

Dein Erwachsenenleben war bestimmt von deinem tiefen Interesse an Menschen. Du warst der Politiker der UK-„Partei“, der alle Kraft für seine Ziele einsetzt.

Dir und deinen Eltern, die immer für dich da waren und die wesentlich dazu beigetragen haben, dass du deine Ziele verfolgen konntest, sage ich aus tiefer Seele Dank!

Bärbel Weid-Goldschmidt




Foto vom Text von Martin Almon zum 25jährigen Jubiläum der Gesellschaft für Unterstützte Kommunikation e.V. (ehemals isaac e.V.)
aus der Festschrift zum 25jährigen Jubiläum der Gesellschaft für Unterstützte Kommunikation e.V. (ehemals isaac e.V.)

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