Ein offener Brief an Medizinerinnen und Mediziner von Kathrin Klapper

von Aliki Nalbantis

Hallo liebe Medizinerinnen und Mediziner,

ich wende mich heute an Sie, weil ich Ihnen sagen möchte, was ich von Ihnen brauche, nämlich: Zuhören, Vertrauen und Zeit.

Darf ich mich kurz vorstellen? Mein Name ist Kathrin Klapper. Ich bin wissenschaftliche Mitarbeiterin und Dozentin an der Universität zu Köln, promoviere zur kommunikativen Teilhabe von unterstützt kommunizierenden Erwachsenen und engagiere mich ehrenamtlich im Vorstand des Landesverbandes für Menschen mit Körper- und Mehrfachbehinderung in NRW.

Ich kommuniziere über Unterstützte Kommunikation – hauptsächlich mit einem augengesteuerten Sprachcomputer. Damit kann ich mich sehr differenziert ausdrücken. Es dauert manchmal etwas länger, aber meine Kommunikation ist klar und eindeutig. In bestimmten Situationen nutze ich zusätzlich ein nicht-technisches Buchstabiersystem.

Im medizinischen Kontext wird mir diese Form der Kommunikation leider oft nicht selbstverständlich zugetraut. Das führt zu Missverständnissen, Unsicherheit – und häufig dazu, dass über mich gesprochen wird statt mit mir.

Deshalb möchte ich heute einen Wunschzettel an Sie adressieren.

  • Ich wünsche mir, dass alternative Kommunikation als gleichwertig anerkannt wird.
  • Ich wünsche mir, dass Sie mir vertrauen. Ich weiß, was ich brauche und was mir gut tut.
  • Ich wünsche mir, dass ich Zeit bekomme, meine Fragen und Antworten zu formulieren.
  • Und ich wünsche mir, dass Sie mir auf Augenhöhe und mit zutrauender Offenheit begegnen.

Seien Sie neugierig,

fragen Sie

und lassen Sie sich auf meine Kommunikationsform ein.

Ich kommuniziere gerne mit Ihnen! Ihre Aufgabe ist es, mir zuzuhören.

Dieser Wunschzettel ist eine Bitte, den Blick zu weiten: weg von Diagnosen als Deutungsrahmen, hin zum Menschen als kommunikativem Gegenüber. Nicht spezielles Fachwissen steht im Mittelpunkt, sondern Vertrauen, Offenheit und ein respektvolles Menschenbild.

Kommunikative Teilhabe im Gesundheitswesen beginnt dort, wo Patientinnen von Anfang an als kompetent und entscheidungsfähig anerkannt werden.

Kommunizieren wir also miteinander!

Herzliche Grüße,

Ihre Kathrin Klapper