Hot Speaker - UK-Referent*innen der Gesellschaft für Unterstützte Kommunikation e.V.

Unterstützt sprechende Menschen haben als Experten in eigener Sache eine unersetzliche Funktion bei der Weitergabe von Informationen über UK. Sie verfügen über persönliche Erfahrungen, die andere so nicht machen können. Sie haben gelernt, unterschiedliche Kommunikationshilfen multimodal zu nutzen und müssen diese im Alltag anwenden. Das begründet ihren besonderen Expertenstatus.

Auf dieser Grundidee basierte das Projekt mit dem Titel „Profis in eigener Sache - Qualifizierung unterstützt sprechender Menschen für die Mitwirkung im Bereich von Fortbildung und Therapie", das von der Gesellschaft für Unterstützte Kommunikation e.V. und dem Bundesverband für körper- und mehrfachbehinderte Menschen e.V. ab 2003 durchgeführt wurde. Im Mai 2008 beendeten 12 Absolventen den ersten Durchgang mit der Autorisierung zu UK-Referent*innen der Gesellschaft für Unterstützte Kommunikation e.V.. 2009 startete ein zweiter Durchgang, an dem ebenfalls 12 unterstützt kommunizierende Erwachsene teilnahmen. Dieser Durchgang endete im Mai 2013 mit der feierlichen Autorisierung.


Ziel der Maßnahme

Ziel ist es, das Erfahrungswissen der unterstützt sprechenden Teilnehmer dieser Qualifizierungsmaßnahme mit theoretischem Wissen zu untermauern. Es sollen Methoden vermittelt werden, die es den Teilnehmern ermöglichen, ihre Kenntnisse und Erfahrungen als „Profis in eigener Sache" an andere unterstützt sprechende Menschen und deren Bezugspersonen in familiären und beruflichen Umfeldern weiterzugeben.


Inhalt

Inhaltliche Grundlage der Maßnahme sind fünf Module mit verschiedenen Teilmodulen, an denen die Teilnehmer aufgrund der sehr unterschiedlichen Voraussetzungen sowohl individuell als auch gemeinsam mit Mentoren und in der Gruppe arbeiten.

Die einzelnen Module müssen nicht alle komplett innerhalb der Ausbildung absolviert werden, es reichen auch Teilmodule aus, um nach vier Jahren einen Abschluss als Co-Referent zu erhalten.

Die gesamte Maßnahme beruht fortlaufend auf einer angeleiteten Selbsteinschätzung und Reflektion. Als erste Grundlage bekommen die Teilnehmer dafür einen Fragebogen zu den eigenen Möglichkeiten, den sie bereits mit ihren Bewerbungsunterlagen ausgefüllt einschicken.


Berichte einiger TeilnehmerInnen

Auf der Grundlage folgender Leitfragen berichten einige der UK-Referenten-Anwärter*innen über ihre persönliche Sicht auf die Ausbildung, ihre Erlebnisse, Wünsche und Visionen.

Warum habe ich mich für diese Ausbildungsmaßnahme entschieden?
Was bedeutet es für mich in meinem Umfeld, UK-Referent*in zu sein?
Was waren meine tollsten oder schlimmsten Erlebnisse als UK-Referent*in?
Was möchte ich bis 2020 als UK-Referent*in machen oder gemacht haben?

Carl Martin Norbert Kunze (Durchgang 1); n.kunze@gesellschaft-uk.org

Ich habe seit 2006 neben meiner Arbeit in der Werkstatt, in meiner Freizeit eine Ausbildung zum Co-Referenten von ISAAC- GSC gemacht. Dieser Verein bietet für Lehrer, oder für Therapeuten und auch für Eltern Fortbildungen im Bereich unterstützte Kommunikation an. Nicht zu vergessen auch für mich, als Betroffener! Damit die Fortbildungen, oder Informationsveranstaltungen noch interessanter werden, können wir als unterstützt sprechende Menschen Teile davon übernehmen. Oder wir können auch damit anderen Betroffenen helfen, indem wir ihnen zeigen was mit einer elektronischen Kommunikationshilfe alles möglich ist. Dafür ist die Ausbildung. Und so bekommen wir eine Aufgabe mehr in unserem Leben.

Ich kann jetzt mein Wissen einsetzen über meine Kommunikationshilfen und über meine Sprechtechniken, wenn ich keine elektronische Kommunikationshilfe Zur Verfügung habe. Ich muss nicht nur über meine Kommunikationshilfen Bescheid wissen, sondern auch wissen welche anderen Möglichkeiten es noch gibt. Dieses ist das besondere an der Ausbildung hier in Deutschland! In Amerika und England gibt es auch solche Projekte, aber diese befassen sich wohl nur mit einer elektronischen Kommunikationshilfe.

Mit mir haben noch elf andere unterstützt Sprechende diese Ausbildung zum Co-Referenten gemacht. Wir alle kommen aus ganz Deutschland und haben nicht dieselbe elektronische Kommunikationshilfe, oder nicht den gleichen Sprachstil. Wir als Gruppe haben uns mit unseren Mentoren oder Referenten von ISAAC- GSC, die die Ausbildung geleitet haben, seit 2003 einmal im Jahr in Mainz getroffen. Wir zwölf sind auch unterschiedlich weit in unserer Ausbildung.

"Hot-Speakers –Profis in eigener Sache", dies ist seit 2006 unser Gruppenname (Gruppe des ersten Durchgangs dieser Ausbildung).

Jeder von uns hat einen Mentor. Auch wenn manche von uns noch nicht alle fünf Module bearbeitet haben sind wir jetzt durch unsere verschiedenen Erfahrungen die wir in den Jahren unserer Ausbildung gesammelt haben, autorisierte Co-Referenten von ISAAC- GSC! Das heißt, dass ich alles was ich zum Anfang schon aufgezählt habe machen darf. Das mache ich immer in Absprache mit meinem Auftraggeber, bei diesem liegt auch dann die Verantwortung. Für die meisten von uns ist diese Sache ein Nebenjob! Was wir jetzt vielleicht daraus weiter machen können muss jede und jeder von uns selbst schauen.

Martin Almon (Durchgang 1); m.almon@gesellschaft-uk.org

Meine Lehrer haben mich sehr verletzt, denn sie haben mir nicht zugetraut, dass ich ein Kommunikationsgerät benutzen kann. Darum hat es sehr lange gedauert, bis ich ein Kommunikationsgerät bekam. Ich war schon nicht mehr in der Schule und musste mir das Meiste selbst erarbeiten. Obwohl meine Lehrer der Meinung waren, dass ich nicht mit einem elektronischen Gerät arbeiten kann, habe ich das Gegenteil bewiesen.

Heute kann ich Vorträge halten. Das ist für mich Gold wert und sehr wichtig.

Damit meine Vorträge besser werden, habe ich eine Ausbildung zum Co-Referenten gemacht.

Die Ausbildung zum Co-Referenten hat mich selbstbewusster gemacht.

Es hat mir sehr viel Freude gemacht mit der Co-Referenten- Gruppe zu arbeiten. Wir konnten Probleme besprechen und viel diskutieren. Dabei stellte es sich oft raus, dass wir die gleichen Probleme hatten.

Manche Vorträge laufen gut und ich freue mich immer, wenn die Teilnehmer regen Anteil nehmen und ich hinterher gute Feedbacks bekomme. Aber ich habe auch schon mal erlebt, dass die Teilnehmer kein Interesse zeigten. Da war ich sauer und wäre am liebsten gegangen.

Ich habe mir gedacht, dass ich durch meine Vorträge anderen Menschen helfen kann, dass sie nicht den gleichen Weg gehen müssen wie ich. Ich will Öffentlichkeitsarbeit machen mit meinen Vorträgen, damit ich auf die Probleme von nicht sprechenden Menschen aufmerksam machen kann.

Gabi Rennert (Durchgang 1); g.rennert@gesellschaft-uk.org

Ich möchte anderen zeigen, dass Unterstützte Kommunikation sehr wichtig ist und dass man früh damit anfangen sollte. Ich möchte mein Wissen anderen weitergeben, auch wenn es manchmal schwierig ist.

Mein schlimmstes Erlebnis als Co-Referentin war, als eine Ergotherapeutin gezeigt hat: „Der Talker wird im Unterricht dem Schüler abgenommen weil er dazwischen quatscht." Das habe ich hinterher noch mal von einer Lehrerin gehört. Glaube, ich habe gesagt, stellen sie sich vor, man klebt ihnen den Mund zu? Dann hat sie nichts mehr gesagt.

Ich möchte bis 2020 selbst noch viel lernen. Damit ich das dann weiter geben kann.

Ich möchte, dass ich bis 2020 viele Lehrer und Familien überzeugen kann, dass Unterstützte Kommunikation sehr wichtig ist für kleine und große Menschen.

Marion Tapken (Durchgang 1); m.tapken@gesellschaft-uk.org

Bärbel Weid-Goldschmidt hat mich auf der Jahrestagung 2001 in Dortmund angesprochen, ob ich eine Ausbildung als Co-Referentin machen möchte. Ich habe sofort „Ja" gesagt, weil der Traum, etwas anderes zu machen, als nur in der WfB zu arbeiten, in Erfüllung ging. Vorher hatte ich mich in Ulm bei einer Übungsfirma beworben, aber festgestellt, dass ich das aus gesundheitlichen Gründen nicht schaffte.

Ich bin stolz darauf, dass ich als Mensch mit Behinderung Vorträge halten kann. Ich werde in meinem Umfeld anders wahrgenommen. Die Menschen schauen nicht so sehr auf meine Behinderung, sondern auf das, was ich mache. Sogar Ärzte sind von meinen Vorträgen beeindruckt. Das macht mich glücklich, gibt mir Selbstvertrauen und neue Kraft.

Das tollste Erlebnis war für mich, als ich 2009 auf der Vorkonferenz der Jahrestagung in Dortmund einen Vortrag halten durfte. Riesig stolz war ich auch, als ich in meiner ehemaligen Schule den Vortrag zu meiner Sprachentwicklung halten durfte. Es war schon komisch, als Referentin vor meinen ehemaligen Lehrern zu sitzen.

Ein wirklich schlimmes Erlebnis als Co-Referentin habe ich nicht gehabt. Mich ärgert nur, dass ich , wenn ich vor vielen Leuten reden muss, häufig zu nervös bin und beim Scannen zu viele Fehlclicks habe.

Ich möchte gern an einer ISAAC- Welttagung teilnehmen, wenn ich das gesundheitlich schaffe. Und ich möchte vielen Menschen erzählen, dass auch „Nicht-Mund-Sprechende" viel zu sagen haben.

Christoph Bodach (Durchgang 2); c.bodach@gesellschaft-uk.org

Ich habe mich für die Ausbildung entschieden, weil ich nicht nur rumsitzen wollte. Ich möchte mehrere Artikel schreiben, und möchte mich engagieren. Ich möchte mich bewähren, aber durch meine Krankheit kann ich leider nicht arbeiten. Ich bin mehr offen gegenüber anderen. Ich bin der erste in den neuen Bundesländern. Ich möchte andere zum Talker bringen und meinen schneller und besser bedienen können. Bis 2020 würde ich gerne das Netzwerk der Mentoren und Unterstützt Sprechenden erweitert sehen bzw. ausbauen, da es hier bei uns in den neuen Bundesländern keine Mentoren gibt.

 

Mayal Petersen (Durchgang 2); m.petersen@gesellschaft-uk.org

Ich habe mich für diese Ausbildungsmaßnahme entschieden weil ich das ganz interessant fand.

Ich mache das, weil ich mein Wissen verbessern möchte und später mal so ein richtig guter Co-Referent sein möchte.

Ich möchte später mal in Schulen referieren und Leuten erzählen, was UK heißt oder mit Kindern arbeiten.

Ich möchte Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen zeigen, wie man zum Beispiel mit einem Powertalker umgeht oder wie man Hilfe bekommt.

Ich möchte die Leute, die kein Gerät haben, überzeugen, warum z.B. ein Gerät für sie eine gute Hilfe sein kann.

Für mich bedeutet, Co-Referent zu werden, dass ich später einmal zum Beispiel in Werkstätten, Schulen, oder aber in Universitäten unterstützend helfen kann.

Die Menschen sollen mich durch meine Tätigkeit mehr akzeptieren.

Man kann durch mich lernen; ich kann die Leute oder Kinder besser beraten, da ich als unterstützt Kommunizierender auch von meinen eigenen Schwierigkeiten erzählen kann.

Ich habe viele nette Ideen, was Computer und Powertalker angeht.

Und ich habe viele Tipps, die ich weiter geben kann.

Ich möchte bis 2020 als Co-Referent bereits ganz viele Vorträge gehalten haben. Ich möchte daraus lernen, lernen und noch einmal lernen, damit ich auch später einmal ein echt guter Co-Referent sein kann.

Die Vorträge die ich schon bisher an der Krankenpflegeschule gehalten habe, möchte ich weiter hin machen dürfen. Vielleicht kann ich mal in verschiedene Werkstätten gehen und Tipps weiter geben oder zu Schulen fahren und da Vorträge halten. Ich möchte an Universitäten, wo man Sprachtherapie studiert, den Leuten zeigen dass man auch ohne Sprache sprechen kann.

Ich möchte auch Kindergärten ansprechen. Da könnte ich ja etwas für kleinere Kinder machen, was ich vorher erarbeitet habe, damit sie das auch verstehen können.

Annemarie Schuster (Durchgang 2); a.schuster@gesellschaft-uk.org

Als nichtsprechende Beschäftigte in einer Werkstatt für behinderte Menschen mit einer starken körperlichen Einschränkung habe ich nicht viele Möglichkeiten, interessante Arbeiten zu machen. Mein Hobby ist Öffentlichkeitsarbeit: ich bin im Leitungsteam der Bildungsstätte Langau. Mein Eco-Talker ist ein sehr wichtiger Teil von mir, denn ich kann mich dadurch gut verständigen. Endlich kann ich mich mit anderen nichtsprechenden Menschen intensiv austauschen. Vielleicht kann ich nach der Ausbildung etwas mehr Geld verdienen.

Co-Referentin zu sein, bedeutet, dass ich mein Umfeld erweitere, neue Leute und andere Orte und Häuser kennen lernen kann. Diese Art von Arbeit ist ein anderes Niveau als die Arbeit in der Werkstatt! Meine Eltern sind stolz, dass ich eine "richtige" Ausbildung mache- ich selbst natürlich auch!

Als Co-Referentin möchte ich gerne mein Können weiter geben und Leuten helfen, die Angst vor einem Computer haben: ich möchte nichtsprechende Menschen ermuntern sich an einen Talker zu trauen und sprechenden Menschen die Angst nehmen mit unterstützt kommunizierenden Menschen zu reden. Ich hoffe auf viele Möglichkeiten mein Wissen weiterzugeben und auf viele Einsätze als Co-Referentin.


Fikria Aab- baz aus der Gruppe der Hot Speakers hat verbunden mit ihrem Wunsch, in der Gesellschaft auf mehr Akzeptanz zu stoßen, folgendes Fazit formuliert:

„Gemeinsam sind wir stark mit und ohne UK"


Weitere Infos zur Co-Referenten-Ausbildung finden sich in einigen Veröffentlichungen:

  • Bärbel Weid-Goldschmidt: „Profis in eigener Sache – Ein Ausbildungsprojekt für UK-Co-Referenten-Anwärter" in: Handbuch der Unterstützten Kommunikation ; Karlsruhe 2005; S. 13.024.001 – 13.027.001
  • Bärbel Weid-Goldschmidt; Ina Steinhaus: „Hot Speakers – Profis in eigener Sache. Ein ISAAC-Ausbildungsprogramm zu Co-Referenten in Unterstützter Kommunikation" in: Sachse, Birngruber, Arendes (Hrsg.): Lernen und Lehren in der Unterstützten Kommunikation; Karlsruhe 2007