Infos für den Frühling 2026
Liebe Leserin, lieber Leser,
liebe Hörerin, lieber Hörer,
mit der 9. Ausgabe, der "Frühlings-Version" der UK für Dich, starten wir in den dritten Jahrgang.
Wir sind, finden wir, mit Laura Blaschke und Lennart Godow ein tolles Redaktionsteam.
Gleich im ersten Beitrag schreibt Laura einen "Klartext", der sich direkt an DICH als Leser:in und/oder Hörer:in richtet: In ihrem Text mit dem nur scheinbar trivialen Titel "Kommunikation ist keine Einbahnstraße!" äußert sie im Namen der gesamten Redaktion eine große Bitte: Schreibt uns, worüber wir berichten sollen!
Außerdem haben wir gleich drei Interviews geführt: mit Laura, die unsere neue Fachvorständin "Öffentlichkeit" ist und einen fulminanten Start hingelegt hat sowie mit den neuen Vorstandsmitgliedern Felix Olejnick und Marco Hastenteufel.
Mehr wird hier nicht verraten: Einfach lesen und hören!
Klartext
Kommunikation in der GesUK ist keine Einbahnstraße!
Fakt ist: 2.700 Menschen, die mit UK zu tun haben, lesen diesen Infobrief „UK für dich“.
Die Zahl der Rückmeldungen bei jeder Ausgabe liegen unter 1 Promille (heißt: 1 pro 1000), obwohl wir immer wieder darum gebeten haben.
Die GesUK leistet - organisiert über Fachvorstände, Arbeitskreise, Arbeitsgruppen und Regionalgruppen, einen Fortbildungsbereich, einem großen Kongress und viele Projekte eine unheimlich wertvolle Arbeit im Bereich der Unterstützten Kommunikation.
Die UK für Dich erreicht neben den GesUK- Mitgliedern immer mehr Menschen, die (noch?) nicht zu diesem Kreis gehören. Um auch diese zu informieren und vielleicht für eine Mitgliedschaft zu gewinnen, sind wir auf EURE Beiträge angewiesen! Es läuft sooo viel in Eurer Region und online, und es wäre toll, wenn wir darüber berichten und/oder im Vorfeld informieren könnten. Gerade Online-Veranstaltungen (Fortbildungen, Stammtische, Treffen, Kulturveranstaltungen,…) sind barrierefrei von Flensburg bis Südtirol erreichbar- wenn man davon erfährt. Also: Schreibt an unser verwaistes E-Mail-Postfach unter infobrief@gesellschaft-uk.org und berichtet von vergangenen und zukünftigen Events- gerne mit Fotos oder einem O-Ton als Audio, denn wir werden auch in diesem Jahr alle Beiträge auch zum Hören anbieten.
Für die Redaktion
Laura Blaschke
Die Sache mit der Unterschrift
Neulich in der Mailingliste der Referent:innen: Eines unserer langjährigen, unterstützt sprechenden Mitglieder stellt eine Frage, die für den Alltag von unterstützt Kommunizierenden von großer Wichtigkeit ist. Es geht um die rechtsgültige Unterschrift im öffentlichen Raum.
Er schreibt: "(...) Den Antrag dafür habe ich immer mit meinem Daumenabdruck unterschrieben. Jetzt erkennt die Beihilfe den Daumenabdruck nicht mehr an. Seit 2004 habe ich auch eine Vollmacht vom einem Notar, dass auch meine Mutter unterschreiben darf, wenn einer meinen Daumenabdruck nicht anerkennt. Aber das kann keine Lösung sein."
Nach meinem Aufruf in dieser Mailingliste meldeten sich viele (Fach- und UK-) Referentinnen, mit rechtlichen Informationen, Erfahrungen und auch individuelle Lösungen für dieses auch in der UK- Öffentlichkeit wenig bedachte Problematik. Hier sind ein paar Auszüge:
Sandra Y. Dreyer hat umfassend mit Hilfe von KI recherchiert und zeigt einen lösungsorientierten Weg auf:
Schritt 1: Schriftliche Begründung verlangen: Auf welcher Rechtsgrundlage wird der Daumenabdruck plötzlich abgelehnt? Warum wurde die Praxis 20 Jahre lang akzeptiert und jetzt nicht mehr?
Schritt 2: Alternativen vorschlagen – aber selbstbestimmt! Folgendes kannst du, (aber musst du nicht) anbieten:
Unterschrift mit Namensstempel + Daumenabdruck
Daumenabdruck in Anwesenheit einer dritten Person
Ärztliche Bescheinigung: „Person ist unterschriftsfähig durch Fingerabdruck“.
Wichtig: Nicht bitten, sondern als Lösung präsentieren.
Schritt 3: Widerspruch ankündigen (klar, ruhig, bestimmt)
Falls die Beihilfe blockiert: Formellen Widerspruch gegen die Ablehnung ankündigen mit Hinweis auf:
jahrelange Anerkennung, Behinderung und Benachteiligungsverbot
Oft reicht schon die Ankündigung, damit sich etwas bewegt.
4. Grundsatz, den du dir merken solltest: Behinderung darf nicht dazu führen, dass man mehr Hürden hat als andere. Wenn eine Unterschrift wegen Behinderung anders aussieht, muss sich die Verwaltung anpassen – nicht der Mensch.
Drei unterstützt Kommunizierende haben ihre Lösungen für die Sache mit der Unterschrift genannt (alle aus Datenschutzgründen anonymisiert):
Eine UK- Nutzerin ohne gesetzliche Betreuung beschreibt ihre Vorgehensweise in verschiedenen Alltagssituationen:
Sie hat eine Vollmacht vom Notar für die Mutter, die nach Absprache ebenfalls Vollmachten ausstellen darf. Für Notfälle haben bestimmte Leute Vollmachten für Gesundheitssorge und Aufenthaltsbestimmungsrecht.
Unterschriftenstempel für fast alle Situationen im Alltag (Pflegekasse, Physiotherapie,...)
Wenn eine Unterschrift auf dem Tablet nötig ist (zum Beispiel bei einem Autokauf) unterschreibt der Assistent mit einer entsprechenden Vollmacht.
Sie schreibt: "Auf meinem Personalausweis ist keine Unterschrift. Die muss eigenständig sein. Das kann ich ohne Handführung nicht. Da ist einfach ein Strich.
Solange es mit meinem Stempel geht, mache ich das. Geht es nicht nehme ich die Vollmacht. Meine Mutter darf Vollmachten ausstellen. Wichtig ist da nur: Die notarielle Vollmacht meiner Mutter und eine Kopie des Personalausweises muss vorliegen. So können sie die Unterschrift prüfen."
Ein anderer unterstützt Kommunizierender schreibt:
"Also ich unterschreibe seit Jahren mit einem Unterschriften-Stempel. Den habe ich mir von Vistaprint machen lassen. Also ich habe meine Unterschrift einmal auf einem Blatt geschrieben und die eingescannt.
Als ich als rechtlicher Betreuer angetreten bin, habe ich den Rechtspfleger gefragt, ob der Stempel rechtskräftig ist. Er meinte es ist ein Irrglaube, dass ein Vertrag nur zustande kommt, wenn man den
unterschreibt. Er hat mir dann, aber ein Schreiben gemacht, dass ich den Stempel benutzen darf, wenn ich etwas für meinen Klienten machen muss. Ich hatte davor aber auch kaum Probleme. Ich tätige damit alles."
Eine weitere Rückmeldung: "Ich habe ebenfalls einen Unterschriftenstempel. Leider sträubt sich mein Physiotherapeut davor."
Vielen Dank für die Rückmeldungen und die Beschreibung der sehr unterschiedlichen Erfahrungen. Wir werden an dem Thema dran bleiben und uns um eine offizielle, rechtssichere Auskunft bemühen, die dann bei Bedarf zur Verfügung gestellt werden kann.
Ein offener Brief an Medizinerinnen und Mediziner
von Kathrin Klapper
Hallo liebe Medizinerinnen und Mediziner,
ich wende mich heute an Sie, weil ich Ihnen sagen möchte, was ich von Ihnen brauche, nämlich: Zuhören, Vertrauen und Zeit.
Darf ich mich kurz vorstellen? Mein Name ist Kathrin Klapper. Ich bin wissenschaftliche Mitarbeiterin und Dozentin an der Universität zu Köln, promoviere zur kommunikativen Teilhabe von unterstützt kommunizierenden Erwachsenen und engagiere mich ehrenamtlich im Vorstand des Landesverbandes für Menschen mit Körper- und Mehrfachbehinderung in NRW.
Ich kommuniziere über Unterstützte Kommunikation – hauptsächlich mit einem augengesteuerten Sprachcomputer. Damit kann ich mich sehr differenziert ausdrücken. Es dauert manchmal etwas länger, aber meine Kommunikation ist klar und eindeutig. In bestimmten Situationen nutze ich zusätzlich ein nicht-technisches Buchstabiersystem.
Im medizinischen Kontext wird mir diese Form der Kommunikation leider oft nicht selbstverständlich zugetraut. Das führt zu Missverständnissen, Unsicherheit – und häufig dazu, dass über mich gesprochen wird statt mit mir.
Deshalb möchte ich heute einen Wunschzettel an Sie adressieren.
· Ich wünsche mir, dass alternative Kommunikation als gleichwertig anerkannt wird.
· Ich wünsche mir, dass Sie mir Vertrauen. Ich weiß, was ich brauche und was mir gut tut.
· Ich wünsche mir, dass ich Zeit bekomme, meine Fragen und Antworten zu formulieren.
· Und ich wünsche mir, dass Sie mir auf Augenhöhe und mit zutrauender Offenheit begegnen.
Seien Sie neugierig,
fragen Sie –
und lassen Sie sich auf meine Kommunikationsform ein.
Ich kommuniziere gerne mit Ihnen! Ihre Aufgabe ist es, mir zuzuhören.
Dieser Wunschzettel ist eine Bitte, den Blick zu weiten: weg von Diagnosen als Deutungsrahmen, hin zum Menschen als kommunikativem Gegenüber. Nicht spezielles Fachwissen steht im Mittelpunkt, sondern Vertrauen, Offenheit und ein respektvolles Menschenbild.
Kommunikative Teilhabe im Gesundheitswesen beginnt dort, wo Patientinnen von Anfang an als kompetent und entscheidungsfähig anerkannt werden.
Kommunizieren wir also miteinander!
Herzliche Grüße,
Ihre Kathrin Klapper
Gespräch mit Laura Blaschke
Hallo Laura, schön, dass du Zeit für ein Interview hast!
Du bist ja in der GesUK und auf Instagram schon länger in Sachen Unterstützter Kommunikation unterwegs. Wir haben schon einige Beiträge von dir in der UK für Dich lesen und hören können. Nun bist du ständiges Redaktionsmitglied bei uns geworden. Das freut Lennart und mich sehr!
Falls dich trotz deiner Prominenz noch jemand nicht kennen sollte: Erzähle doch mal ein bisschen über dich!
Hallo Martin, ich bin total froh Redaktionsmitglied der UK für Dich zu sein!
Ich bin 21 Jahre alt, komme aus Karlsruhe, spreche seit meinem fünften Lebensjahr über einen Talker mit Augenansteuerung, halte seit ich 10 Jahre alt war Vorträge, organisiere mit meinem ehemaligen Fachlehrer für UK, Markus Knab, einen monatlichen Talker-Stammtisch in Karlsruhe.
Meine größte Leidenschaft ist das Kreative Schreiben und ich singe auch mit einer K I eigene Lieder.
Du bist auf der Mitgliederversammlung in Leipzig im November letzten Jahres mit großer Mehrheit zur Fachvorständin für den Bereich Öffentlichkeitsarbeit gewählt worden. Dieses Amt gab es vorher noch nicht. Ist in den letzten Monaten denn schon etwas unter deiner Regie passiert?
Ich bin total dankbar für euer Vertrauen. Unseren GesUK Instagram-Kanal gestalte ich tatkräftig mit, erstelle sämtliche Flyer, die Regios der GesUK haben jetzt einen einheitlichen Instagram-Namen und immer mehr Regios kommen auf Instagram.
Ich habe eine Sonderbriefmarke zum Thema „Unterstützte Kommunikation“ des Bundesfinanzministerium vorgeschlagen, außerdem habe ich an Meetings „Was tun, wenn die AfD uns angreift" teilgenommen und sehr gerne würde ich Schirmpersonen für die GesUK finden.
Was sind wichtige Aspekte in deiner Arbeit als Fachvorständin? Was sind die nächsten Ziele?
Wichtig ist, dass wir gemeinsam in der Öffentlichkeit starke Präsenz zeigen und ich wünsche, dass wir uns auch politisch positionieren. Darin sehe ich großes Potenzial, Großes zu bewirken.
Das ist ja ein großes Aufgabenspektrum. Machst du das allein oder hast du ein Team, das dich unterstützt?
Ich habe eine sehr fleißige Arbeitsgruppe an meiner Seite bestehend aus Lukas, Benjamin, Stephanie, Malena, Martin und Marco. Ich bin total dankbar, dass ich sie an meiner Seite habe, denn gemeinsam als Team können wir viel mehr erreichen.
Mal abgesehen von deiner Arbeit als Fachvorständin: Was machst du in deiner Freizeit? Und was sind deine ganz persönlichen Ziele?
Seit frühesten Kinderjahren ist das Kreative Schreiben meine größte Leidenschaft, es ist der Ausdruck meiner Seele. Ich schreibe sehr gerne, am liebsten poetische Texte, außerdem höre ich gerne Musik, lese gerne und bin gerne unterwegs.
Welche Frage hättest du von mir noch gerne gestellt bekommen- und wie wäre deine Antwort?
"Gibt es etwas ganz Bestimmtes, was du dir für die Zukunft wünschst, wenn alles möglich wäre?"
Ich wünsche mir, dass die komplette Welt von ganzheitlicher Inklusion getragen wird. Dass niemand auf Äußerlichkeiten reduziert wird, sondern das Innere des Menschen zählt und wertgeschätzt wird. Dass es normal ist, dass Menschen, egal von ihrer Herkunft, egal von ihrer Sprache, egal von ihrer Beeinträchtigung etc. gemeinsam spielen, lernen, sich weiterbilden, arbeiten.
Danke für das Gespräch, Laura, und danke, dass Du in der Redaktion der UK für Dich mit an Bord bist!
Auch dir Martin Dankeschön für die wundervolle Zusammenarbeit!
Wenn Worte Zeit brauchen – und die Welt keine hat (Teil 2)
In der Herbstausgabe der UK für Dich haben wir den ersten Teil von Lauras umfangreichem (und enorm wichtigen) Text veröffentlicht. Hier kommt die Fortsetzung.
Autorin: Laura Blaschke
Jahr: 2025
Ort: Karlsruhe
Stell dir vor, du sitzt in einem vollen Raum.
Alle reden durcheinander, Worte fliegen durch die Luft wie Pfeile – schnell, laut, ungefiltert.
Und du? Du hast etwas zu sagen. Etwas Wichtiges.
Doch du brauchst einen Moment.
Du musst erst Symbole aneinanderreihen, Buchstaben wählen.
Du blickst, klickst, wartest.
Und während du noch mitten im Satz bist – ist das Gespräch schon weitergezogen.
So fühlt sich Kommunikation für viele von uns an, die auf Unterstützte Kommunikation angewiesen sind.
In einer Welt, die Tempo feiert und Geduld vergisst, bleibt oft keine Zeit, um wirklich gehört zu werden.
Aber was wäre, wenn Kommunikation nicht bewertet würde nach Schnelligkeit – sondern nach Tiefe?
Was wäre, wenn wir Menschen nicht auf ihre Sprache reduzieren – sondern auf das, was sie sagen wollen?
Dieser Bericht erzählt davon.
Von Herausforderungen, von Technik, die Leben verändert.
Von Mut, Frust, Ideen – und vom großen Wunsch nach einer Gesellschaft, in der alle mitsprechen dürfen.
Ohne Zeitdruck sprechen: Warum WhatsApp für mich echte Freiheit bedeutet?
Warum ich es so liebe, über WhatsApp zu kommunizieren, ist, dass ich alles ohne Zeitdruck, den ich täglich beim Kommunizieren erlebe, kommunizieren kann.
Ich kann so immer überall auf alles in Ruhe Antwort geben ohne unterbrochen zu werden.
In einem realen Gespräch habe ich immer Zeitdruck, weil ich ja alles einzeln mit meinen Augen schreiben muss.
Und es dauert immer ein bisschen, bis ich fertig geschrieben habe, was ich sagen möchte.
In WhatsApp habe ich die Möglichkeit auf jede Nachricht einzeln zu antworten.
Man hat immer die Möglichkeit, nachzuschauen was man eigentlich gesagt oder gefragt hat.
Weil häufig vergisst man was man gerade eben gefragt hat, weil die Antwort von dem, der unterstützt kommuniziert lange dauert, weil er ja erst die Wörter, die er sagen möchte auswählen muss.
In WhatsApp hat man das Problem nicht, dass man einfach vergisst, was man gerade gefragt hat, weil man immer seine Nachrichten nachlesen kann.
Gespräch oder Chat?
Gibt es da einen Unterschied?
Eigentlich bleibt der Vorgang für Nutzer Innen solcher Kommunikationshilfen immer gleich.
Wir haben schon immer über digitale Medien kommuniziert.
Der Unterschied ist aber, dass wir ohne Zeitdruck kommunizieren können.
Das ist deutlich übersichtlicher und man vermeidet somit Missverständnisse.
Was mir so gefällt: man kann seine Emotionen mit Emojis ausdrücken.
Menschen mit Lähmungen können häufig ihre Mimik nicht steuern und Emojis, Stickers und Gifs können diese Mimik, diese Bewegung ersetzen.
Inklusion beginnt mit Verstehen – und Verstehen beginnt bei der Kommunikation
Die Welt spricht von Inklusion, doch Inklusion kann nur stattfinden, wenn man eine gelungene Kommunikation gewährleistet.
Wie könnte das aussehen?
Wir alle sehnen uns nach einer Gesellschaft, die von Geduld und Achtsamkeit getragen wird – nach einem Miteinander, das nicht urteilt, sondern versteht.
Nach einem Alltag, in dem jede Form der Kommunikation gesehen, gehört und wertgeschätzt wird.
Schon früh sollten Kinder lernen:
Menschen sprechen auf viele Arten – mit Worten, mit Händen, mit Blicken, mit Bildern, mit dem Herzen.
Allen sollte schon früh vermittelt werden, dass Menschen unterschiedlich kommunizieren.
In unserem Alltag muss überall leichte, barrierefreie Sprache und Gebärdensprache eingesetzt werden.
Unterstützte Kommunikation (UK) muss für alle zugänglich sein und jede*r soll Förderung erhalten.
Dies muss zur Selbstverständlichkeit werden.
Öffentliche Räume sollen kommunikativ barrierefrei gestaltet werden (zum Beispiel visuelle Hinweise, Rückzugsorte, ruhige Zonen).
In Diskussionen, Gesprächen oder Abstimmungen soll Zeit nicht gleich Macht sein: Menschen dürfen sich die Zeit nehmen, die sie brauchen, um sich auszudrücken.
Gut wäre, wenn es Sprechzeit-Regelungen, Redekarten, oder die Möglichkeit, Beiträge schriftlich oder im Nachhinein einzubringen geben würde.
Wir brauchen eine Kultur des aktiven Zuhörens.
Das heißt:
Warten können, Pausen aushalten, nicht unterbrechen.
Schnelligkeit soll nicht automatisch mit Intelligenz oder Kompetenz gleichgesetzt werden.
Eine Welt in der Vielfalt der Ausdrucksformen geschätzt wird.
Kommunikation wird nicht nur über gesprochene Sprache definiert.
Kommunikation ist weit mehr.
Körpersprache, Bilder, Symbole, Piktogramme, digitale Ausdrucksformen (Text, Emojis, Videos) und sogar Musik, Kunst, Theater…
Medien sollten vielfältige Sprecher*innen, auch mit Unterstützter Kommunikation oder anderen Kommunikationsformen zeigen.
Sie sollten zeigen, dass Menschen, die anders kommunizieren genauso dazugehören.
Künstliche Intelligenz kann Kommunikation ergänzen, zum Beispiel durch automatische Übersetzung in Gebärdensprache oder Symbolsprache.
Ich habe auch eine Stimme – und ich möchte gehört werden
10 Schuljahre lang besuchte ich die Ludwig-Guttmann-Schule in Langensteinbach und im Jahr 2020 wechselte ich in die Stephen-Hawking-Schule in Neckargemünd Nähe Heidelberg, weil man in der LGS keinen Schulabschluss machen konnte, was meine Eltern und ich erst später erfahren haben.
Beide Schulen sind sonderpädagogische Bildungss- und Beratungszentren für Menschen mit körperlicher Beeinträchtigungen.
Seit der vierten Klasse war ich die einzige, die über einen Talker spricht.
Für mich machte das aber keinen Unterschied.
Ich finde, ich spreche wie die anderen, nur dass ich erst das schreiben muss, was ich äußern möchte.
Ich wollte unbedingt ins Internat der Stephen-Hawking-Schule, um meinen Schulabschluss zu machen.
Fast 4 Jahre war ich auf derselben Internatsgruppe.
Auf meiner Internatsgruppe waren 10 Schülerinnen und Schüler und ich war wieder sowohl auf der Internatsgruppe als auch in der Klasse die einzige, die über einen Talker sprach.
Dort war auch das Problem, das ich länger, als die anderen brauchte, bis ich etwas sagen konnte.
Auf der Internatsgruppe wurde sehr, sehr viel gesprochen.
Eigentlich den ganzen Tag und auch viel durcheinander.
Ich habe alles mitbekommen.
Die Betreuer*Innen und meine Mitbewohner *Innen haben auch oft gesagt, ich habe vom Gehör Ohren wie ein Elefant.
Aber regelmäßig kam es vor, dass das Gesprächsthema abgefahren war, bis ich etwas dazu sagen konnte.
Das war echt deprimierend für mich.
So oft wünsche ich mir, ich könne, die Zeit kurz anhalten und dann ganz in Ruhe schreiben, was ich sagen möchte, oder man könne Gedanken lesen.
Eine Zeit lang habe ich dann unter 4 Augen Gespräche gesucht, weil mir klar war, derjenige sieht und hört mich dann.
Nach einer Weile ist mir bewusst geworden: „Hey, ich habe auch eine Stimme und so viel zu sagen.
Ich spreche einfach, wie die anderen drauf los und ich kann ja immer noch erwähnen zu welchem Thema ich etwas sage."
Mit dieser Situation habe ich noch mehr Selbstbewusstsein gewonnen.
Jede und jeder hat etwas zu sagen und jede und jeder möchte gehört werden.
Ich wünsche mir so sehr eine Gesellschaft mit mehr Geduld.
Zeit ist relativ.
Ich habe extra in meinem Talker Tasten einprogrammiert, mit denen ich schnell sagen kann: „Moment bitte, ich möchte etwas sagen.“ Und „Ich gebe gleich Antwort, einen kleinen Moment bitte.“
Diese Sätze habe ich so einprogrammiert, dass sie beim anklicken gesprochen werden und sie nicht in das Mitteilungsfenster geschrieben werden, sonst müsste ich es erst immer wieder löschen, bis ich meine eigentliche Mitteilung äußern könnte.
Das ist eine super tolle Lösung und hat mir schon bei sehr vielen Situationen geholfen.
Wenn ich längere Gespräche habe, bereite ich vorher Textbausteine vor, die ich sagen möchte.
Somit veringert sich der Zeitdruck.
Dies mache ich auch, wenn ich zum Beispiel in einem Café an der Theke bestelle.
Ich schaue was es zum Trinken und Essen gibt, dann ziehe ich mich erstmal wieder zurück, schreibe vor, was ich bestellen möchte, speichere es in meinen Talker ab und dann fahre ich an die Theke und bestelle.
Hinschauen, hinhören, mitreden lassen – Jede Stimme ist wertvoll
Niemand ist "zu langsam"
Kommunikation ist keine Einbahnstraße und kein Wettbewerb.
Jeder hat etwas zu sagen, Gedanken verdienen es ausgesprochen zu werden.
Egal wie schwer liegend die Beeinträchtigung ist, jede und jeder sollte in jeglichen Gesprächen miteingebunden werden.
Alle sollten die Chance haben mitreden zu können.
Schaut auf die Körpersprache, Mimiken, Blicke, damit ihr erkennt, wer gerade etwas äußern möchte.
Traut euch zu sprechen, egal wie lange es dauert, das auszusprechen, was ihr auf dem Herzen habt.
Haut einfach raus, was ihr sagen möchtet.
Ich weiss schon, es dauert immer ein bisschen, bis ich alles fertig geschrieben habe, um das auszusprechen, was ich sagen möchte.
Trotzdem sollte man jede*n aussprechen lassen.
Denn ich habe so viel zu sagen.
Trotz Beeinträchtigung bin ich so wie ihr.
Ich habe meine Identität, meine Werte, meine Wünsche und Bedürfnisse.
Auf der Straße gaffen mich die Leute an als wäre ich ein Alien.
Es kann sein, dass man nicht oft Menschen mit Beeinträchtigungen sieht.
Für viele ist es unangenehm zu fragen.
Für mich ist es sehr unangenehm dauernd angestarrt zu werden.
Viel besser finde ich es, wenn die Leute auf mich zu gehen und mit mir ins Gespräch zu kommen.
Fragen kostet nichts.
Nur vielleicht ein bisschen Mut und Geduld.
Eure Laura Blaschke.
Meine Kontaktdaten:
E-Mail Adresse: blaschkelaura.eyes@gmail.com
Instagram: laurablaschke.poet_of_the_eyes
Familienfreizeit 2026
Köln
Die Gesellschaft für Unterstützte Kommunikation e.V. lädt herzlich zur Familienfreizeit 2026 ein!
Vom 23. bis 26. Juli 2026 kommen Familien mit unterstützt kommunizierenden Kindern und Jugendlichen im Alter von 5 bis 18 Jahren in der Jugendherberge Köln-Riehl zusammen, um gemeinsam eine besondere und bereichernde Zeit zu erleben.
Freut euch auf ein abwechslungsreiches Programm mit gemeinsamen Spielen, Raum für Austausch und vielfältigen Aktionen rund um das Thema Unterstützte Kommunikation – ganz gleich, ob ihr gerade erst mit UK beginnt oder bereits viel Erfahrung mitbringt.
Erfahrene UK-Nutzende geben dabei Einblicke in ihr Leben mit Unterstützter Kommunikation.
Im Mittelpunkt der Freizeit stehen Begegnung, Miteinander und das Stärken von Gemeinschaft – in einer offenen, wertschätzenden und unterstützenden Atmosphäre.
Organisiert und begleitet wird die Familienfreizeit von Anja Wehrheim, Anne Lappe, Bettina Fendt und Britta Godow.
Ort: Jugendherberge Köln-Riehl
Beginn: Donnerstag, 23.07.2026, 15:00 Uhr
Ende: Sonntag, 26.07.2026, 12:00 Uhr
Hinweis: Die Anzahl der barrierearmen Zimmer ist begrenzt.
Bei Fragen wendet euch gerne an:
familienfreizeiten@gesellschaft-uk.org
Weitere Infos & Anmeldung:
https://www.gesellschaft-uk.org/profis/veranstaltungskalender/detail/familienfreizeit.html
Wir freuen uns auf gemeinsame Tage voller Begegnung, Spiel und Austausch!
Britta Godow
Rügen
Uwe Billerbeck organisiert schon seit einigen Jahren Familien-Wochenenden "mit Tiefgang", bei denen die gemeinsame Nutzung von UK- Angeboten und ein intensiver Austausch zwischen Eltern gleichermaßen auf dem Programm stehen.
Unter dem Titel „In Kontakt kommen“ hat er ein Wochenende zur Förderung der (unterstützten) Kommunikation in der Familie vom 03.07. – 05.07.2026 in Sellin auf der Insel Rügen geplant.
Uwe beschreibt sein Vorhaben wie folgt:
"Familien, in denen ein Kind lebt, welches sich lautsprachlich nicht äußern kann, stehen vor ganz besonderen Herausforderungen: Oftmals fühlen sich sowohl die unterstützt kommunizierenden Kinder als auch Eltern nicht oder falsch verstanden. Häufig zieht dies missverständliche, teils schwierige Verhaltensweisen nach sich.
An diesem Wochenende wollen wir uns verschiedenen Fragestellungen zuwenden, bspw.: Wie erleben Sie die Begegnung mit Ihren Kindern? Was ist Ihre gemeinsame Sprache? Wie erfassen Sie Wünsche und Bedürfnisse Ihres Kindes? Wo gibt es Problematiken in der Kommunikation? Wo komme ich an Grenzen?
Verschiedene auf die Kinder abgestimmte UK- Angebote bieten einen Rahmen für ein gemeinsames Tun. Dies gibt die Möglichkeit, förderliche, möglicherweise aber auch hemmende Muster in der Beziehungs- und Interaktionsgestaltung zu erkennen. Reflektierend gehen wir dabei möglichen Ursachen auf den Grund. Wir begleiten die Familien an diesem Wochenende, wie Sie neue Möglichkeiten entdecken, um den Kontakt zu Ihren Kindern gestalten.
Weitere Informationen finden Sie unter
https://www.gesellschaft-uk.org/profis/veranstaltungskalender/detail/familienwochenende-an-der-ostsee-in-kontakt-kommen.html
Kontakt: per Mail an u.billerbeck@gesellschaft-uk.org oder per Telefon unter 0351/2106573
GesUK-Literatüröffner – Der inklusive Leseabend im Online-Format: Das vierte Mal
Der Literatüröffner öffnet wieder seine Türen – digital und kostenfrei!
Bei unserem Online-Leseabend stehen jeweils eine Autorin oder ein Autor im Mittelpunkt. Moderiert wird der Leseabend von Pauline Füg. Die eingeladenen Schriftstellerinnen lesen eigene Texte – als Mundsprecherin oder unterstützt kommunizierend – und geben persönliche Einblicke in ihr literarisches Schaffen.
Der Literatüröffner schafft Raum für vielfältige Stimmen, besondere Perspektiven und lebendige Begegnungen. Offen, inklusiv und inspirierend.
Am 24. März 2026 von 19.00 Uhr bis 21.00 Uhr werden wir international:
Alex Oberholzer kommt aus Zürich und liest aus seinem autobiografischen Roman mit dem Titel „Im Paradies der weißen Häubchen“ der seine Kindheit in einem Heim für an Polio („Kinderlähmung“) erkrankte Kinder verbracht hat.
Dies beschreibt er so: „Erinnere ich mich zurück, so tauche ich ein in ein gigantisches Wechselbad der Gefühle. Von Schmerz, Qual und Ungerechtigkeit über Gleichgültigkeit und Langeweile bis hin zu grenzenlosem Glück, Euphorie und Triumph. Alles, was andere Mädchen und Jungs erleben, erlebte ich genauso, aufgrund der speziellen Umstände einfach etwas extremer.“
Natascha Toman kommt aus der Nähe von Wien/ Österreich. Sie ist die erste unterstützt sprechende Stand-up- Comedienne und begeisterte auf dem Festabend der GesUK auf unserem großen Kongress in Leipzig mit ihrem Programm.
Auf ihrem YouTube-Kanal schreibt sie:
„Comedy - Sprachcomputer mit Schmäh. Auf diesem Kanal findest du Ausschnitte meiner Comedy-Programme – ehrlich, trocken und mit feinem Blick fürs Absurde. Ich erzähle Geschichten aus dem Alltag, spiele mit Vorurteilen und nehme mich dabei selbst nicht so ernst. Meine Auftritte entstehen mithilfe Unterstützter Kommunikation und einer synthetischen Stimme.“
Link: https://www.gesellschaft-uk.org/profis/veranstaltungskalender/detail/literatueroeffner-online.html
Neu im Vorstand: Felix Olejnick
Gespräch mit Felix Olejnick, stellvertr. Vorsitzender
Hallo Felix, schön, dass du kurz Zeit hast. In der UK für Dich stellen wir regelmäßig Aktive unseres Vereins vor und du als neues Vorstandsmitglied bist natürlich jetzt auch an der Reihe. Die Leserinnen und Leser der UK für Dich und natürlich auch die Hörerinnen und Hörer, die die MP3-Dateien sich anhören, wollen bestimmt wissen, wer sich da im Vorstand neuerdings tummelt.
Erzähl doch mal ein bisschen über Dich.
Mache ich sehr gerne, lieber Martin, vielen Dank, dass ich die Zeit bekomme und die Chance habe, mich hier nochmal vorzustellen. Ich bin Felix Olejnick, ich bin seit 15 Jahren Heilerziehungspfleger und auch Sonderpädagoge in den Schwerpunkten Geistige Entwicklung und emotionale und soziale Entwicklung.
Ich arbeite im Hauptamt an einer Fachschule, dort bilde ErzieherInnen und HeilerziehungspflegerInnen aus und habe vor drei Jahren die Weiterbildung zum UK-Fachberater gemacht. Dadurch bin ich mit vielen Menschen in der GesUK in Kontakt gekommen - und bin da hängen geblieben.
Unterstützte Kommunikation ist für mich nur eines meiner Arbeitsthemen. Ich habe noch ganz viele andere Schwerpunktthemen.
Bevor wir gleich zum Verein kommen, erzähl doch mal, was Du in Deiner Freizeit machst, damit man sich ein bisschen vorstellen kann, wie der Vorstand so besetzt ist.
Ich bin früher als Kind bereits sehr viel Wandern gewesen. Das mein liebstes Hobby, es ist mir bis ins Erwachsenenalter geblieben.
Ich gehe zu Fernwanderung, aber auch mal in den Harz, da mache ich kleinere Touren. Ich bin vier bis fünfmal im Jahr für ein Wochenende im Harz zum Wandern. Außerdem habe ich einen Camper und nutzte den so oft es geht. Wenn ich Urlaub habe, im Sommer, fahre ich sehr gerne mit meinem eigenen Camper weg.
Ich fahre meistens nach Skandinavien oder ins Baltikum. Ich interessiere mich nicht so für Sport, ich bin ein großer Fan von Harry Potter. Ich war neulich in London zum Musical, das hat mir sehr gefallen. Ich habe tatsächlich alle Bücher gelesen und nicht nur die Filme gesehen
Vielleicht kannst Du von der einen oder anderen Zauberkraft auch etwas für unseren Verein gebrauchen. Wie Du zur Bewerbung gekommen bist, hast Du ja schon erzählt. Mich interessiert dieser erste Eindruck, den man kriegt, wenn man in dieses große System "Gesellschaft für Unterstützte Kommunikation" reinkommt, mit ja deutlich über 2000 Mitgliedern.
Wie war das für Dich?
Was mich von Anfang an beeindruckt hat, ist die hohe Anzahl an aktiven Ehrenamtlichen. Ich kenne auch andere Vereine und Verbände, auch aus aktiver Gremienarbeit, aber noch nie habe ich eine so hohe themenbezogene Motivation gesehen. Es sind so viele tolle Menschen, die im Ehrenamtsbereich tätig sind, die so viel ihrer Freizeit für das Thema aufbringen, nicht nur im Verein, auch darüber hinaus.
Das Thema Unterstützte Kommunikation begleitet ja auch viele außerhalb des Vereins oder Berufs, es begleitet viele von den Aktiven auch im Privatleben, z.B. durch Angehörige, die Unterstützte Kommunikation nutzen oder weil sie selbst unterstützt kommunizierend sind. Das ist eine einmalige Ressource, die die GesUK hat. Und nicht nur die Quantität, sondern auch die fachliche Qualität der aktiven Ehrenamtlichen ist absolut bemerkenswert.
Das ist sehr beeindruckend. Ja, das geht mir natürlich als langjähriges Vereinsmitglied ganz genauso. Ich bin froh, dass du nicht das Wort "opfern" im Zusammenhang mit dem Einsatz für UK benutzt hast, denn wir alle, die wir ehrenamtlich tätig sind, merken, dass wir auch selber sehr davon profitieren, wenn wir Zeit -und Herzblut vor allen Dingen- in die Vereinsarbeit stecken. Man merkt den Ehrenamtlern an, dass jeder Einzelne viel für sich selber profitieren und ständig dazulernen.- gerade auch von unterstützt Kommunizierenden.
Du sagtest vorhin, dass du noch nicht so viel Live-Erfahrungen mit Unterstützt Kommunizierenden hattest, wenn ich das richtig verstanden habe.
Das ist für mich neu. Ich glaube, das erste Mal gesprochen mit einem frei kommunizierenden Menschenhabe ich bei dir in Köln. Das war Frank Klein. Ganz ehrlich, es gibt einfach mehr Menschen, viele mehr Menschen, die viel mehr Wissen und Expertise über Unterstützte Kommunikation haben als ich.
Ja, aber da haben wir schon im letzten Vorstand gemerkt, dass das ein großer Vorteil sein kann, wenn man nicht zu dicht dran ist am UK-Sektor. Man bekommt dadurch zusätzlich nochmal einen anderen Blick von außen im Vergleich zu den absoluten Insidern. Das merke ich in Fallberatungen immer wieder. Du hast eben deine ersten Eindrücke geschildert. Hast du schon erste Ideen von Weiterentwicklung im Verein, in welche Richtung das gehen könnte? Erste Schwerpunkte deiner Vorstandsarbeit, vielleicht?
Ja, ich bin jetzt drei Monate dabei und ich bin eigentlich ganz entspannt. Ich habe mich in viele Themen eingearbeitet und ich habe mir viele Sachen angeguckt, die 2021/2022 und in den Zeiten davor an Struktur- und Organisationsveränderungen angestoßen wurden. Ich glaube einige Aspekte dieser Anstöße sind teilweise nicht zu Ende durchgeführt worden.
Die ganzen Grundlagen sind aber alle gemacht. Das ist ein großes Glück für jemanden wie mich, der neu hinzukommt. Wir müssen bloß noch die Zuckerglasur und die Streusel auf die Torte machen, aber der Teig ist schon fertig. Das ist eine Sache, auf die ich sehr viel Lust habe. Ich setze meinen eigenen Schwerpunkt in der Entwicklung von Struktur- und Prozessqualität, das meint u.a. die Implementierung von einfachen Verfahrensabläufen, Austausch wird vertieft, Verfahren werden standardisiert.
Der Vorstand hat noch viel mehr Themen, aber das ist eins, wo ich mich am meisten selbst sehe. Wie gesagt, da ist schon richtig viel gemacht worden in den letzten Jahren, was vielleicht nicht so sichtbar ist, weil es nicht immer gelebt wird. Aber wenn wir das mit Leben füllen, haben wir sehr viel Potenzial, sehr gute Arbeit zu machen.
Und das ist natürlich die Kehrseite von ehrenamtlicher Arbeit, dass einfach manchmal Dinge liegen bleiben. Ja, aber trotzdem, du hast das ja gut geschildert, sind unheimlich wertvolle Ansätze gemacht worden. Und wenn sich jemand jetzt darauf fokussiert, das war ein schönes Bild mit der Torte, mit der Glasur auf der Torte.
Und ich denke, man kann ja auch erst mal nur die halbe Torte glasieren und dann können wir auch diese Hälfte schon mal genießen im Verein.
Außerdem ist es wichtig, dass wir offen darüber sprechen, wie wir die politische Sichtbarkeit und Wirkmacht der GesUK stärken. Wir sind ein Verein, der eigentlich eine klare politische und soziale Forderung hat: vollständige gleichberechtige Teilhabe von unterstützt kommunizierenden Menschen, Punkt. Das müssen wir transportieren.
Hast du noch irgendetwas, was du den Lesern und Hörern der UK für dich mit auf den Weg geben möchtest?
Ich möchte mich bedanken für das Engagement und für den Einsatz, den so viele Ehrenamtliche täglich zeigen. Nicht nur wegen dem Verein, sondern für die Ziele die die Gesellschaft für Unterstützte Kommunikation hat. Kommunikation ist so ein wichtiger Baustein von Teilhabe und Inklusion. Es ist toll zu sehen, wieviel Herzblut und Einsatz so viele Menschen dem Thema widmen. Das war mir selbst als Sonderpädagoge vor zwei Jahren so nicht bewusst.
Ach so, eine wichtige Sache ergänze ich noch: Mein eigener Anspruch als Mitglied des Vorstandes ist es, für alle Vereinsmitglieder, ansprechbar und verfügbar zu sein. Jede Person kann den Vorstand einfach anschreiben und bekommt spätestens nach ein paar Tagen eine Antwort. Ich möchte, dass wir ein greifbarer Vorstand sind, denn zu guter Kommunikation gehört auch jemand der gut zuhört.
Ja, kann ich voll verstehen. Denn wir als UK für dich wollen auch noch mal betonen, dass auch Kommunikation im Verein keine Einbahnstraße ist. Unsere Arbeit lebt von, ujm es mit einem Fachbegriff zu nennen, "turn-taking".
Und wir als Redaktion wünschen uns ebenfalls aus der Leserschaft Hinweise auf Veranstaltungen, auf gelungene Projekte, Ideen, Zukunftswünsche, über die wir informieren können. Denn "Tue Gutes und rede drüber" ist ein ganz, ganz wichtiger Aspekt in der ehrenamtlichen Arbeit.
Danke für das Gespräch, Felix.
Neu im Vorstand: Marco Hastenteufel
Gespräch mit Marco Hastenteufel, Finanzvorstand
Hallo Marco. Schön, dass du einen Moment Zeit hast, denn ich glaube die Leserinnen und Hörer der UK für dich wollen bestimmt wissen, wer sich denn da so im neuen Vorstand tummelt.
Was hat dich denn dazu veranlasst überhaupt zu kandidieren?
Also Silke Braun hatte mich gefragt. Und da ich in meinem Job ja seit einigen Jahren bei uns in der Einrichtung auch für UK tätig bin hat mich das schon interessiert.
ich habe dann im Laufe der Jahre gemerkt, dass UK so ein wichtiges Thema ist und dass da gesellschaftlich noch viel zu wenig getan wird und dass das eine Sache ist, wo vielleicht auch auf politischer Ebene viel mehr passieren muss. Das war für mich auch ein Grund zu sagen: Vielleicht kann man innerhalb der GesUK auf politischer Ebene viel mehr bewirken, als das in irgend einer Einrichtung möglich ist.
Ich glaube, du hast ja auch eine Weiterbildung gemacht bei der GesUK.
Genau, ich habe eine Weiterbildung zum Fachberater UK gemacht .
Dann hatten wir ja im November die Mitgliederversammlung.
Da seid ihr beide, Felix und du, mit großer Mehrheit auch gewählt worden. Jetzt bist du schon drei Monate im Amt. Bereust du es schon?
Nee, ich finde es total interessant. Ich finde es nur ungeheuer schwierig, da reinzukommen.
Ich freue mich darauf, aber ich freue mich auch, wenn die Einarbeitungsphase irgendwie ein bisschen rum ist und man kann da irgendwie entspannter losarbeiten, ohne ständig irgendwo suchen zu müssen.
Jetzt wollen, glaube ich, die Leute, die die UK für dich gerne wissen, was du so machst, beruflich und auch in deiner Freizeit. Magst du ein bisschen über dich erzählen?
Ja, ich arbeite bei den Bonner Werkstätten in Bonn-Beuel, im Arbeitsbereich für heilpädagogisches Arbeiten. Ich arbeite da auch im Gruppendienst, und habe dann das Schwerpunktthema Unterstützte Kommunikation vor einigen Jahren übernommen. Es nimmt viel Zeit in Anspruch, aber es macht Spaß.
Ansonsten bilde ich auch Heilerziehungspfleger aus. Ich habe dieses Jahr auch wieder eine Auszubildende neu bekommen und versuche natürlich da auch immer noch im Rahmen der Ausbildung, Thema Unterstützte Kommunikation unterzubringen.
Was machst du in deiner Freizeit?
In der Freizeit verreisen wir gerne. Ansonsten höre ich total gerne Musik, stehe absolut auf das schwarze Gold, Vinyl- Schlallplatten, das liebe ich. Und ansonsten fotografiere ich ganz gerne.
Ja, interessant. Du hast schon so ein bisschen durchblicken lassen, in welche Richtung du bei der Weiterentwicklung der GesUK mitarbeiten möchtest.
Ja, ich finde es wichtig, dass wir in den Ausbildungsgängen bei den Heilerziehungspflegern ein bisschen mehr Präsenz kriegen, denn in den Lehrplänen kommt UK überhaupt nicht vor.
Wir haben jetzt mit Laura Blaschke eine neue, unterstützt sprechende Fachvorständin für Öffentlichkeitsarbeit. Was denkst Du: Wird das wichtige Thema jetzt Fahrt aufnehmen?
Das wird auf jeden Fall Fahrt aufnehmen. Sie macht jetzt schon unheimlich Dampf. Auf Instagram und bei vielen anderen Themen, die wir bei einem Arbeitstreffen besprochen haben. Also Laura, die ist da so richtig aktiv. Ich bewundere, wo sie diese Energie her nimmt. Ich finde, dass Laura wirklich so ein neuer Stern am GesUK-Himmel ist, auf jeden Fall.
Gibt es noch irgendwas, was du gerne noch sagen möchtest?
Ich freue mich auf alles, was da noch kommt. Ich finde bisher auch die Zusammenarbeit mit den anderen Vorstandskollegen und auch mit dir total bereichernd. Und es macht Spaß.
Es ist eine angenehme Arbeitsatmosphäre. Ja, und ich hoffe, dass es so bleibt.
Gut, dann danke ich dir, Marco, für das Gespräch.
Ja, sehr gerne.
UK - Jahrestreffen 2026
Das UK-Jahrestreffen des BVKM, dem Bundesverband für Körper- und mehrfachbehinderte Menschen, wird 30 Jahre alt.
Der BVKM lädt auch am Pfingstwochenende unterstützt Kommunizierende und ihre Begleitpersonen ein. Freut euch auf eine große Anzahl von Workshops, auf die legendäre Samstagabendshow und tolle Präsentationen am Sonntag. Es gibt wieder den UK Marktplatz am Freitagnachmittag.
Wir öffnen um 16.45 Uhr die Bühne. Für alle, die schon da sind, gibt es kurze Vorträge von UK für UK.
Wer sich zur Veranstaltung anmeldet und einen Vortrag halten möchte, kann sich mit einem Thema bei uns bewerben.
E-Mail an anne.willeke.bvkm.de
Wir suchen immer noch Helfer und Helferinnen, auch unter der Bezeichnung Kommunikationsassistentinnen bekannt, gegen Aufwandentschädigung und Bescheinigung.
Auch das steht auf der Internetseite uk.bvkm.de näher beschrieben.
Anmeldeschluss ist am 2. April.
Anne Willeke
Bildungsreferentin
Tel.: 0211. 64004-17
anne.willeke.bvkm.de
Ankündigung: Musik- Talkercamp - international in Eupen/Belgien
Am 26. (ab 10:00 Uhr) und 27. September (bis 16:00 Uhr) veranstalten wir zum zweiten Mal ein Musik- Talkercamp für Kinder und Jugendliche: diesmal in Eupen, direkt hinter der belgischen Grenze in der Nähe von Aachen. Wir sind dort Gast im Zentrum für Förderpädagogik und übernachten im Internat des Zentrums.
Patrick Schäfer und Anja Wehrheim haben im letzten Jahr bereits solch ein Musikcamp der GesUK durchgeführt. Euch erwartet ein Wochenende, an dem Musik nicht (nur) gehört, sondern vor allem gemacht wird.
Patrick Schäfer, der musikalische Leiter, bringt seine Erfahrung aus zahlreichen Workshops mit, bei denen er ausgewählte Apps und eigens entwickelte Spieloberflächen einsetzt – Instrumente, bei denen wirklich alle mitspielen können. Ohne Notenkenntnisse: Neugier genügt!
Anja Wehrheim, Fach-Referentin für Unterstützte Kommunikation mit langjähriger Erfahrung in diesem Bereich gehört ebenfalls zum Leitungs-Team.
Seid Ihr interessiert? Dann meldet Euch bei Anja Wehrheim unter a.wehrheim@gesellschaft-uk.org
Neugierig? Über die Links kommt Ihr zu zwei tollen Videos:
https://www.youtube.com/watch?v=y6fd74Lq5So
https://youtu.be/QnmAdWXw0gk?si=YaoNKnt6zBZODcT8
Der Text wurde vorgelesen von Anja Wehrheim.